Reliquien für anonyme Frauen
In der Werkserie „Namenlose“ ersetzt Angela Andorrer die christlichen Symbole alter Klosterarbeiten mit fragilen Blattkunstwerken und schafft so eine Hommage an die Arbeit anonymer Frauen.
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Angela Andorrer konserviert und schmückt Pflanzenblätter, die sie auf Wanderungen findet, mit Farbe, Faden und Perlen. Gebrochene Äste werden geschient, gerissene Häute genäht in dem absurden, symbolischen Versuch, die Natur zu heilen.
Dann sucht und sammelt sie alte Klosterarbeiten – wertvolle Handarbeiten namenloser Frauen aus dem Alpenraum –, die mit einer teils unglaublichen handwerklichen Meisterschaft seit Jahrhunderten in Klöstern sowie in Bürger- und Bauernhäusern hergestellt wurden und sich mit dem Haus oder Hof vererbten. In diesen Arbeiten sind Bilder oder Figuren von Maria, Jesus oder Heiligen mit wertvollen Goldgarnen, Perlen, Edelsteinen, Textilien, aber auch Haaren verziert.
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In einem bewusst performativen Akt ersetzt Angela Andorrer die Symbole des Christlichen mit einem anderen Symbol der Schöpfung: dem Pflanzenblatt – einem Objekt aus der Natur als zeitgemäßes Sinnbild unseres Überlebens auf der Erde. Denn Blätter bilden mit Hilfe von Wasser und Sonnenlicht Sauerstoff und sind somit die Lebensgrundlage für Mensch und Tier.

Die Werkserie „Namenlose“ reagiert auf die Arbeit der unbekannten VorgängerInnen. Tradiertes, lokales Wissen vergangener Zeiten verbindet sich mit prägenden Themen unserer Zeit, der Sensibilisierung für weltweite Klimaveränderungen, der aussterbenden Handwerkskunst und der Sichtbarkeit von Frauenarbeit.
Der Künstlerin geht es um ein Hervorheben der Versehrtheit, Verletzlichkeit und der Schwächen – sowohl der fragilen Blätter als auch der anonymen KunsthandwerkerInnen. Es entsteht eine Hommage an diese vergessene Arbeit und eine Kooperation über Generationen hinweg.
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Siehe auch:
Reliquie Natur Großarl
PDF Reliquie Natur Großarl
Blattmonstranzen

