In der Coronazeit durften wir nicht sozial sein und das Reisen war weitestgehend untersagt. Beides war ein Schock für mich, da das Wandern und Reisen mit Freunden und Freundinnen in meinem Leben wichtig ist. Also beschloss ich anstatt mit Freunden mit meinen Kunstwerken zu wandern, ihnen meine Lieblingsorte zu zeigen, und sie dabei in Video und Fotografie zu porträtieren. Dabei beschäftige ich mich mit jedem einzelnen Blatt so wie in einem Dialog zwischen mir und einer anderen Person.
Der Arbeitsprozess beginnt schon beim Wandern in der Natur, beim Entschleunigen und Beobachten, beim Hören der Naturgeräusche, von Wind und Wasser. Es sind Momente, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Mittlerweile gibt es über 300 Videos und fast 400 Fotografien.
Wie bei einer Diashow mit (beschaulich bis dramatisch) bewegten Bildern reihen sich die 42 Kurzvideos aneinander, wo jeweils ein „Blattscape“ eine Landschaft „anprobiert“, die ihm erstaunlich gut passt. Nicht, als wäre sie ihm ein paar Nummern zu groß. Im Hintergrund zieht der Johnsbach vorbei, die Nockberge erheben sich, streckt sich ein See gemütlich aus, auf dem Hochwechsel liegt Schnee (no na, da hat das Blatt die Künstlerin auf eine Skitour begleitet), und auf einer Fähre von Polen nach Schweden hat der Horizont dermaßen geschwankt, dass das Meer darunter garantiert seekrank geworden ist. Da war’s „so windig, dass ich Angst gehabt hab, dass es mir wegfliegt“, das Blatt. Wie ein Schmetterling.
WIENER ZEITUNG
-> Stills Reisende Blätter

